Post-Internet-Art?

Wie mit allen Versuchen Phänomene und Dinge zu kategorisieren, ist es auch schwer eine Generation von KünstlerInnen zu beschreiben, welche seit 2008 unter der Kategorie „Post-Internet-Art“ gefasst wird. Doch was genau ist diese Kunst nach dem Internet? Ein Stil, eine bestimmte Ästhetik, eine Bewegung?

Nikolai Richter geht in seinem Artikel „Im Karneval der Zeichen“ von 2014 dieser Frage nach und hält einige Merkmale fest. So sei diese Kunst orientiert an der Ästhetik von Werbung und Industriedesign. Subversion geschehe durch Aneignung und Überbietung, nicht durch Abgrenzung. Im gleichzeitigen Konsumieren und Produzieren, dem prosumerism, stehen wir in Relation zu Geräten und Software. Richter kommt zu dem Schluss, dass die Post-Internet-Art eine eigene Ästhetik besitze, diese aber der Werbung, Mode und Design entlehnt ist. Als Stil ließe sich dieses Phänomen ebenso beschreiben, der sich dadurch auszeichne, die individuelle Handschrift zu überwinden. Als Bewegung könne man diese aber auch beschreiben. Ohne Manifest setze die Post-Internet-Art kritisches Wissen voraus und spreche zu einem Kreis von Kennern und Eingeweihten.

2015 nähert sich Kito Nedo den Kategorisierungsversuchen in seinem Artikel „Furchtlos im Datensturm„. Er jedoch macht gleich zu Beginn darauf aufmerksam, dass die Post-Internet-Art kein eingrenzbarer Stil, sondern eine Haltung sei. Auch andere kategorisierende Begriffe, wie „New Aesthetic“, „Circulationism“, „Tumblerism“, „Radikanten“, „Meme Art“, versuchten die neue Kunst zu fassen. Dabei wird versucht ein Phänomen zu beschreiben, das sich dadurch auszeichnet, dass KünstlerInnen mit großer Selbstverständlichkeit neuste Technologien benutzen um Bilder, Filme und Skulpturen zu generieren. Das Internet diene ebenso wie die Werbung als unerschöpflicher Fundus. Prinzipiell ließe man seine Kunstwerke eher herstellen als diese mit der Hand zu fertigen. Die meist der digital sozialisierten Generation entstammenden Künstler produzieren ihre Arbeiten laut Nedo mit einem „Internet State of Mind“. Dieser Geisteszustand zeichne sich durch Verstreutheit, Referenzialität und eine neue Materialsensibiliät, welche sich aus einer Negierung von Material und Handwerk speise, aus.

Die Frage bei all diesen Versuchen der Kategoriezuschreibung, bleibt, ob wir über ein Kategoriendenken nicht schon längst hinaus sein müssten und eine exakte Zuschreibung bei den fließenden und temporären Prozessen im Internet obsolet wird. Ist es überhaupt möglich aktuell arbeitenden Künstlern den Vorwurf zu machen, Material und Handwerk zu negieren? Muss sich nicht eher unser Verständnis von Materialität und Handwerk ändern?

Bild / Image / Screenshot © Sarah Sigmund

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