Glossar der KomplizInnen Plot I

Im Sinne unserer interdisziplinären Komplizenschaft zwischen künstlerischen und geisteswissenschaftlichen Positionen, zeigt die Ausstellung Accomplices – Plot I neben den Arbeiten der KünstlerInnen auch zwei gemeinsam entwickelte Beiträge.

Auf einem alten Röhrenbildschirm läuft im Zeitraffer eine Aufnahme des Livestreams, der über die Workshopzeit unseren Arbeitstisch aus der Vogelperspektive filmt. Das Zeitraffervideo inszeniert den Tisch als unsere Kommunikationsplattform, auf und an der geschrieben, gegessen, gesprochen wird. Es ist ein Dokument eines gemeinschaftlichen Produktionsprozesses, in dem sich Vieles ereignet, das über das reine Abarbeiten von Aufgaben hinaus geht. Dieser Kommunikationsraum in seiner physischen Materialität unterscheidet sich damit auch von online Arbeitsformen via Skype, Google Docs und ähnlichen Programmen, die zunehmend Kollaborationen erlauben, unabhängig von einer gemeinsamen Abwesenheit am gleichen Ort zur gleichen Zeit. Für Accomplices ist diese geteilte Zeit an einem Ort dennoch entscheidend; neben der Ausstellung, dem Produkt oder der ausgeführten Tat unserer Komplizenschaft, entwickeln sich so auch kunstphilosophische Diskussionen, persönliche Gespräche und nachhaltige Begegnungen.

Ein Impuls vonseiten der Kuratorinnen besteht darin, Begriffe in den Arbeitsprozess einzuspeisen. 60 Schlagworte werden aus der kunstwissenschaftlichen Lektüre zum Thema post-internet art extrahiert und auf Karteikarten notiert. An diesen Begriffskarten orientieren wir uns phasenweise während des Workshops. Bei den Besprechungen der künstlerischen Arbeiten hinterfragen wir die Verortung dieser im Begriffsraum. Gespräche mit den Referenten greifen auf das Begriffscluster zurück. Am Ende des Workshops blicken wir zurück auf diese Konzepte und wählen jene aus, die wir eingehend diskutiert haben und ergänzen die Wortwolke. Im Anschluss übertragen wir diese Wolke mit einer Schreibmaschine auf eine Transparentfolie. Mit einem Overhead Projector – ein ironischer Verweis auf die kuratorische Praxis, der bisweilen eine gewisse schulmeisterliche Art nachgesagt wird – projezieren wir diese an die Milchglasscheibe neben dem Zeitraffervideo. Der geistige und physische Produktionsprozess der KomplizInnen erhält dadurch eine Sichtbarkeit, die nun wiederum ins digitale Netzgefüge gespeist wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.