Accomplices

Accomplices

Die Ausstellungsreihe „Accomplices“ widmet sich in vier Ausstellungen unterschiedlichen thematischen und medialen Schwerpunkten innerhalb der zeitgenössischen Kunst. Hierfür werden jeweils bis zu sechs KünstlerInnen und drei KuratorInnen eingeladen, eine Woche gemeinsam in den Räumen des Hole of Fame eine Komplizenschaft zu bilden, deren Ergebnisse in der folgenden dreiwöchigen Ausstellung zu sehen sein werden. Der Begriff der „Komplizenschaft“, sonst aus der Kriminologie bekannt, wurde von der Kulturwissenschaftlerin Gesa Ziemer positiv umgedeutet und als produktive Arbeitsform charakterisiert, die temporär ein Ziel verfolgt und umsetzt.

In diesem Sinne sollen in Vorbereitung auf die Ausstellungen Komplizenschaften gebildet werden, um mit und entgegen der Kunst tätig zu werden. KünstlerInnen und KuratorInnen erleben in diesem Rahmen ein einwöchiges Residenzprogramm, begleitet von geladenen ReferentInnen. In dieser Zeit wird am Tat-Ort des Hole of Fame e.V. die gemeinsame Ausstellung entwickelt.

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Accomplices Across Borders 2017

Im Ausstellungsjahr 2017 wird die Reihe „Accomplices“ um das Konzept „Across Borders“ erweitert. Hierfür soll besonders die Vernetzung mit KünstlerInnen verfolgt werden, denen Grenzen für eine Ausstellung und eine Zusammenarbeit in Deutschland in den Weg gestellt sind. Hierdurch möchten wir ebenso ganz aktuelle politisch Themen zur Sprache bringen und diskutieren. Wie wirken sich Brexit sowie andere zunehmende nationalistische Bewegungen in Europa auf die künstlerische Praxis aus? Welchen Eindruck hinterlassen Krieg und Migration bei künstlerisch tätigen Menschen? Welche gedanklichen oder tatsächlich existenten Grenzen können durch künstlerische Arbeit und die daraus resultierenden Netzwerke überschritten werden?

Accomplices 2016

Plot IV – I Show Your Mind

Wo hört der Wahnsinn auf und wo fängt berechtigtes Misstrauen an?

Willkommen in Ihrem Geist – Sie betreten ein Experimentierfeld der Gedanken, ein Laboratorium des Chaos und der Ordnung, des Zufalls und Zusammenhangs. Suchen Sie die künstlerischen Verschwörer hinter der Fassade des Hole of Fame und entdecken Sie den Paranoiker in sich. Eine Woche lang haben sich die Ideengeber der Ausstellung eingeschlossen, um in die Gedankenwelt eines Verschwörungstheoretikers einzutauchen: Zwischen Zeitungsartikeln, Bildern, Artefakten und wirren Aufzeichnungen entstanden so Zusammenhänge einer neuen Ordnung. Der assoziative Wahnsinn ist hier selbst am Werk.
Zugleich waren die Türen des Hole of Fame immer oen für zufällige oder absichtliche Besucher und Bastler, wobei sich die Hypothese des Experiments bestätigte: Der Mensch hat eine natürliche Veranlagung zur Paranoia, denn wir sind alle verstrickt in unsere verzweifelte Suche nach Wissen, das Bedürfnis nach einem roten Faden. Und gepaart mit instinktivem Misstrauen gegenüber dem unsichtbar Wirkenden, wünschen wir uns zugleich eine Sinngebung durch das Andere.

Plot III – The Great Bubble of Important Nothings

Ein Versuch über Zeitgenossenscha, Aneignung und Identitäten in der Kunst.

Fünf KomplizInnen begeben sich im dritten Plot der Reihe „Accomplices auf Umwegen in die Finsternis. Denn Zeitgenosse ist, wer die Dunkelheit seiner Zeit als etwas wahrnimmt, das ihn angeht, das nicht auört, ihn anzusprechen, etwas, das sich mehr als jedes Licht unmittelbar und ausschließlich an ihn richtet. Zeitgenosse ist derjenige, dem die Strahlen der Finsternis seiner Zeit frontal ins Gesicht fallen. Diese an Giorgio Agamben angelehnten Überlegungen bilden den Ausgangspunkt der Komplizenschaft.

Plot II – Performance: Die Kunst der Bewegung
In Plot II der Ausstellungsreihe Accomplices setzen sich die KomlizInnen mit Performance Art auseinander. 
KomplizInnen kommen in unterschiedlichen Konstellationen für einen Tag im Hole of Fame zusammen. Menschen aus Bildender Kunst, Theater, Kunstpädagogik, Tanz, Musik. Die Mission lautet: Ein gemeinsames Ereignis schaffen, das am Abend zur Aufführung kommt. Das Gemeinsame wird eine Verflechtung der einzelnen Instrumente, Interessen, Wurzeln. Gegenseitig geben wir uns während des performativen Experimentierens Impulse, um neue Möglichkeiten in der Performance zu erkunden. Improvisation ist unser Motor, Komplizenschaft unser Forschungsfeld und unser Arbeitsmodus. Was entsteht durch die Ereignisse und unsere Handlungen? Der Raum, in dem wir performen, verändert sich, trägt die Spuren der Aufführungen. Das Kamera-Auge verfolgt unsere Bewegungen. Die Produkte unserer Handlungen formen eine Ausstellung, die für drei weitere Wochen zu sehen sein wird.

 

Plot I – Post-Internet-Art?

Thema der ersten Ausstellung ist die Transzendierung des Werkbegriffs der Kunst vor dem Hintergrund der neuen Bildwelten und -Räume im Internet: Was macht die Kunst mit dem Internet und was macht das Internet mit der Kunst?

Gerade im Internet stellt sich die Frage nach der Materialität von Werken und dem, was ein Werk ist, neu. Entgegen vieler musealer Räume, sind im Internet Bilder der Trivial- und Hochkultur gleichberechtigt nebeneinander sichtbar. In den sozialen Netzwerken sind Bilder unabhängig von ihrer Herkunft zu einem Kommunikationsmedium geworden. Dort nehmen ebenso Werke der Kunstgeschichte stetig neue Formen an, werden zu Memen oder Mash-Ups.

Bei vielen Internetphänomenen ist daher nicht klar, ob es sich um ein Kunstwerk handelt, das mit dem Alltäglichen operiert – ganz in der Tradition von Ready Made und Appropriaton Art – oder ob es sich nicht doch um etwas Alltägliches handelt, das einfach kunsthafte Züge angenommen hat. Vorzeichen sind immer weniger gefragt, weil Polaritäten wie High und Low zunehmend als überholte Konstrukte der Moderne wahrgenommen werden, die man überwinden möchte.

Sind Meme und Mash-Ups neue künstlerische Verfahren oder arbeiten diese lediglich mit anderen Materialitäten? Wie wirken sich diese Verfahren und die Bildwelten des Internets auf materielle Objekte der Kunst aus? Welche Materialitäten braucht es um vermeintlich immaterielle Internetphänomene im Ausstellungsraum sichtbar zu machen?